Huch, das bin ja ich! Erkenntnisse aus meinem Gruppendynamik Seminar

Es ist nun schon knapp eine Woche her, dass ich am Gruppendynamik Seminar vom Team Dr. Rosenkranz teilgenommen habe. Mir fällt es immer noch schwer, voll in das Tagesgeschäft einzutauchen. Zu stark sind noch die Eindrücke dieser Tage. Das Seminar war das Beste, was ich bisher erlebt habe. Es war das erste, bei dem ich selbst mit meiner ganzen Persönlichkeit gefordert war. Ich habe verstanden, was Lernen durch Tun heißt. Nicht nur zuhören und aufsaugen, sondern mit jeder Faser einzutauchen und sich einzulassen

Sonntag – Ankommen zur Gruppendynamik

Ich bin aufgeregt, was mich wohl erwartet. Mein Navi spinnt und schickt mich 20 Minuten über die Dörfer, bevor ich endlich das Hotel finde. Glücklicherweise bin ich rechtzeitig genug losgefahren. Beim Abendessen trifft die Gruppe zum ersten Mal zusammen. Mein erster Eindruck: Mit diesen Menschen können die nächsten Tage Gruppendynamik Spaß machen. Ich freue mich. Ein Platz bleibt leer. Wir beratschlagen, ob das der Trainer-Platz ist. Ist es nicht, wie wir später erfahren. Einer der Teilnehmer stand ewig im Stau. Nach dem Essen gehen wir in den Seminarraum. Und dann geht es los. Der Beginn ist befremdlich. Keiner stellt sich vor, keiner spricht. Dann laden uns Hans und Lena zu einer Meditation ein. In knapp 50 Minuten ziehen viele Bilder an mir vorbei. Aus der Kindheit und Jugend, aus meiner ersten Selbstständigkeit, aus Familie und Partnerschaft. Schöne und weniger schöne. Die Reise tut gut. Danach – Schweigen. Bis zum Ende des ersten Tages. Mir ist immer noch unbehaglich zumute, ich fühle mich verunsichert. Wir verabreden uns zum Frühsport, der nun ein Teil des Tagesprogramms sein wird.

Montag – Anschweigen

Wir treffen uns alle im Schwimmbad. Das ist ein schöner, entspannter Start in den Morgen. Beim Frühstück rätseln wir, wie es weitergeht. Wir sind unter uns, ohne die beiden Trainer, was sich für den Rest des Seminars auch nicht ändern wird.

Der Start in den zweiten Gruppendynamik Tag ist alles andere als dynamisch. Wir schweigen uns an. Das fühlt sich für mich zunehmend unangenehm an. Wir versuchen krampfhaft, etwas Schwung in den Vormittag zu bringen. Unsere zaghaften Versuche werden gnadenlos abgeschmettert oder gar nicht beachtet. Beide Trainer, Hans und Lena, präsentieren Pokerfaces, zeigen ansonsten keine Regung. Komisch ist das. Dann endlich eine Idee aus der Gruppe: Wir bauen eine Pyramide. Aktion, Dynamik! Wir verteilen die Rollen: Anleiter, Mitmacher, Störer (der bin ich). Endlich rührt sich was! Ich bin erfolgreich und verhindere, dass die Pyramide gebaut wird. Doch die erste Euphorie wird gleich wieder gedämpft mit der Frage: „Was hat es Euch gebracht?“ Den Beitrag aus dem Trainerteam hatten wir uns anders vorgestellt. Was muss denn noch passieren, dass Leben in die Gruppe kommt? Ein wenig Unterstützung vom Trainerteam wäre schon angebracht.

Die Krönung des Tages war dann die Abendaufgabe: Innerhalb einer Stunde einen Maskentanz einstudieren: Welche Maske hat jeder auf? Welche Maske möchte er/sie ablegen? Ich war völlig perplex. Das erste, was mir einfällt, ist Rumpelstilzchen. Passt aber dann noch nicht ganz, denn ich möchte ja niemandem schaden, nur weil er mich nicht erkennt. Der zweite Gedanke: Aschenputtel. Hier ist aber die Musik eine absolute Katastrophe. Wobei ich schließlich doch noch etwas finde. Ich denke mir: Augen zu und durch. Genau so habe ich das auch dann gemacht und so habe ich mich auch gefühlt. Ich bin heilfroh, als ich meinen Tanz geschafft habe. An diesem Abend bilde ich mir ein, die Masken aller bröckeln zu sehen. Nicht viel, aber ein wenig. Ich bin gespannt, ob sich mein Eindruck am nächsten Morgen bestätigen wird.

Dienstag – Auftauen

Am Dienstag bestimmt Lena, die Co-Trainerin, das morgendliche Sportprogramm. Schüttelmeditation, um Spannungen abfallen zu lassen. Danach sollten wir schreien. Alles herausschreien, was uns stört. Das Ergebnis: Kein Mucks. Die einzige, die sich mächtig ins Zeug legt, ist Lena. Bewundernswert. Keiner von uns traut sich zu folgen. Ich bin überzeugt, dass jeder nur darauf wartet, dass ein anderer zu schreien anfängt. Einige Male bin ich kurz davor, wage den letzten Schritt aber doch nicht. Ich bremse mich selbst. Diese Meditation beeindruckt mich sehr, nicht nur aufgrund des Muskelkaters in den Waden, der sich noch ganz schön lange gehalten hat. Schütteln tut gut, schreien auch, wie ich noch im Verlauf des Tages feststellen darf.

Als wir uns nach dem Frühstück wieder im Gruppenraum treffen, habe ich den Eindruck, die Atmosphäre sei lockerer geworden. Auch die beiden Trainer wirken nicht mehr so distanziert wie noch zu Beginn des Gruppendynamik Seminars. Beide lassen ihre Maske der Unnahbarkeit langsam sinken.

Wir erfahren heute, was wertschätzendes und nicht verletzendes Feedback ist. Und dass es nicht schlimm ist, auch negatives Feedback zu geben und zu bekommen. Mir tut diese Übung sehr gut. Habe ich doch bisher Kritik sehr persönlich genommen. Ich bin auch heute davor nicht gefeit, habe jedoch einen Weg kennengelernt, damit umzugehen – indem ich Feedback gebe und dabei Herrn oder Frau „man“ zuhause lasse. Später kommt noch einmal eine Schrei-Übung. Lena hilft mir dabei, alles rauszubrüllen, was raus will. Anfangs bin ich noch sehr gehemmt. Mit der Zeit geht es besser und besser. Ihr symbolisches Geschenk an mich ist dann auch ein Bauchlöwe, der mir helfen soll, auch künftig zu brüllen, wenn mir danach ist.

Tut das gut, dass die Gruppe auftaut! Wir verstehen, dass wir alleine der Schlüssel sind, ob wir eine echte Gruppe oder besser noch ein echtes Team werden. Die heutige Abendaufgabe trägt sicherlich einen Teil dazu bei: Irgendwie darstellen, wie wir die Gruppe bisher erleben – als Pantomime, Theaterstück, etc. Wir teilen uns in zwei Gruppen auf. Mein Team und ich entscheiden uns für die Pantomime. Mit Feuereifer gehen wir ans Werk. Rasch haben wir uns zusammengefunden und ein schönes Schauspiel erarbeitet. Wir alle haben die ersten Tage sehr ähnlich erlebt. Von Ärger über Unsicherheit und Zweifel ist alles dabei. Was heute klar wird: Hans und Lena sind ein unschlagbares Team. Sie wissen genau, was sie tun und wie sie uns dazu bringen, die Masken fallen zu lassen. Und  noch etwas ist passiert heute: Unser Stuhlkreis ist enger geworden, wir sind im wahrsten Sinne des Wortes näher zusammengerückt.

Mittwoch – Aktion

Nach unserem Frühsport – Morgengymnastik, Schwimmen und heiße Quelle – ist Showtime! Wir führen unsere Pantomime als erste auf. Unser Publikum versteht genau, was wir sagen wollen. Mir tut es gut, das bisher Erlebte in dieser Form zu verarbeiten. Das Theaterstück der Anderen genieße ich ebenso. Herrlich, langsam aber sicher passiert etwas. Wir alle werden lockerer und mutiger. Auch Teilnehmer, die anfangs so gar keine Gefühle zeigen wollten, werden offener. Ich bin verblüfft, verwirrt, überrascht und sehr angetan, wie wir uns entwickeln. Die Herausforderung heute ist die Gruppenarbeit. Sie wird zeigen, ob wir noch lauter Einzelkämpfer, eine Gruppe oder sogar schon ein Team geworden sind. Das Thema: „Überleben in der Wüste“. Die Herausforderung: Einstimmige Entscheidungen, keine Kompromisse, jeder soll die Gruppenentscheidung zu seiner Entscheidung machen.

Auch aus dieser Übung habe ich sehr viel gelernt. Nachdem wir anfangs alle gleichzeitig drauflosreden wollten, haben wir versucht uns zu strukturieren, indem nur der sprechen durfte, der die Schaumstoffrolle in der Hand hatte. Das hat insoweit geholfen, dass wir wirklich sehr gesittet diskutiert haben. Nachteil: wir haben uns dadurch auch die Kreativität genommen. Irgendwann bin ich nur noch genervt, weil ich das Gefühl habe, wir diskutieren mit angezogener Handbremse. Das geht nicht nur mir so. Ich ernte viel Zustimmung, als ich meinen Gedanken äußere. Jetzt fängt es auch an, emotional zu werden. Wir schaffen es dennoch alle, in verhältnismäßig kurzer Zeit zu einer Lösung zu kommen, die alle mittragen. Kurz vor Mitternacht haben wir die Übung fertig. Wie wir am nächsten Tag erfahren, haben wir ein sehr gutes Ergebnis erzielt. Ich bin stolz auf uns. Ich kann lange nicht einschlafen, die Gedanken kreisen noch pausenlos. Es ist ein angenehmes Kreisen.

Donnerstag – Emotionen

Heute haben wir weitere Gäste – Emotionen. Eine Teilnehmerin lässt sie ungehindert heraus. Ich fühle mich hilflos, weil ich nicht weiß, ob ich mich ihr nähern soll oder nicht. Da sie schon tags zuvor Hilfe abgelehnt hat, lasse ich es bleiben. Hans schafft es, sie wieder einzufangen. Er lässt ihr den Raum, den sie braucht. Wir anderen ebenso. Sie ist die Jüngste von uns und hat die meiste Traute, ihre Gefühle ungehemmt zu zeigen. Meinen allerhöchsten Respekt hat sie. Auch bei einem anderen Teilnehmer fließen die Tränen. Wir geben uns gegenseitig Feedback und bekommen als Geschenk gleich noch Übungen, um Dinge zu ändern, die wir ändern wollen. Für jeden passgenau und nur dann, wenn wir das wollen. Das war eine sehr bewegende Runde.

In der Pause ist Üben angesagt: Mit einem Partner spazieren gehen und Gefühle äußern. Aktives Zuhören ist ebenso gefragt: den Ball aufgreifen, Gefühle bestätigen, nachfragen. Mich macht sehr nachdenklich, wie sehr ich von in der Kindheit gelernten Verhaltensweisen geprägt bin. Was ich in diesen Tagen lerne: ich bin, wie ich bin, und ich bin OK, wie ich bin. Und Verhalten kann ich ändern, wenn ich will. Am Nachmittag geben wir uns gegenseitig Führungs-, Vertrauens- und Störkarten. Ich bekomme keine einzige Störkarte, 3 Führungs- und 2 Vertrauenskarten. Auch hier zeigt sich: mein Selbstbild passt nicht mit der Wahrnehmung der Gruppe überein. Ich hätte mir mehr Stör- und Vertrauens-, aber weniger Führungskarten gegeben. Ich freue mich sehr über das Bild, das ich von mir gespiegelt bekomme. Allein schon dafür hat sich Gruppendynamik für mich gelohnt.

Ich darf mich in Provokation üben. Auch diese natürlich wertschätzend und mit einer anständigen Prise Humor gewürzt. Anfangs fällt mir das schwer. Ich möchte niemanden verletzen und habe auch keinen Grund zu provozieren. Schlussendlich bereitet mir diese Übung großes Vergnügen. Die Provokation kommt an, die Empfänger sind nicht verletzt, sondern verstehen, wie ich es gemeint habe.

Wir beschließen das Tagesprogramm mit einer Meditation, die Lena und Hans anleiten. Es geht los mit Bewegung, dann legen wir uns hin und hören Geschichten und Gedanken. Hans lullt mit seiner Stimme so richtig ein. Ich fühle mich in meine Kindheit zurückversetzt. In die Märchenecke mit meinem Opa, zufrieden und geborgen. Ich lasse das Seminar Revue passieren. Und fühle mich gut.

Freitag – Abschied

Sport fällt heute aus, weil ich mit einigen anderen bis in die frühen Morgenstunden geratscht und gelacht habe. Das war herrlich! Wir sind ein richtig gutes Team geworden.

Zwei Teilnehmer haben die Gelegenheit, konkrete Situationen aus ihrem Alltag mit uns zu üben. Bei beiden sind es Gespräche, die sie führen möchten mit dem Ziel, Vertrauen aufzubauen und Beziehungen zu verbessern. Wir bereiten diese Situationen in zwei Gruppen vor und besprechen sie dann im Plenum. Eine hervorragende Übung! Was ich daraus gelernt habe: Genau solche heiklen Gespräche sind es wert, detailliert vorbereitet zu werden. Sich zu überlegen, was denn die eigentliche Ursache für die Situation ist, die gelöst werden möchte. Und sich ruhig auch Feedback geben zu lassen, ob das Ziel erreicht wird. Einige von uns geben sich gegenseitig noch symbolische Geschenke. Lenas Gedanken finde ich sehr schön. Ich werde ihn immer wieder umsetzen, das weiß ich. Eine Teilnehmerin schenkt mir ein Stück Spiegel, damit ich meine innere Schönheit sehe. Ist das nicht phantastisch? Ich bin ganz gerührt.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen geht es zurück nach Hause. Mit einer kleinen Prise Wehmut, weil wir doch zusammengewachsen sind. Letztendlich überwiegt die Freude, wieder nach Hause zu kommen.

Fazit:

Ich empfehle jedem, wirklich jedem, das Gruppendynamik Seminar zu besuchen. Die Inhalte nützen nicht nur im Beruf, sondern auch im privaten Umfeld, egal ob Familie, Partnerschaft oder Freundeskreis. Ich habe sehr viel über mich erfahren und konnte viele Ängste und Blockaden über den Haufen werfen. Die restlichen werden sich auch noch in Wohlgefallen auflösen, da bin ich mir sicher. Ich bin OK, wie ich bin. Mein Umfeld ist auch OK. Noch ein Tipp: Befolgt den Rat des Teams Dr. Rosenkranz und setzt Euch nicht selbst hinters Steuer – oder erst einen Tag später. Die fünf Tage wirken nach!